Finanzieller Puffer

Wenn ich neue Leute kennen lerne und sage dass ich aus Vösendorf komme, kommt zu 80% als Antwort „Ah, aus der reichsten Gemeinde!“ Dieser Satz verursacht bei mir schon beim ersten kennen lernen ein Unwohlsein, welches ich nur schwer wieder weg bekomme.

Nein, Vösendorf ist NICHT die reichste Gemeinde in Österreich, noch nicht mal in NÖ. Vielleicht hat diese Aussage in den ersten Jahren nach dem Bau der SCS gestimmt (Ende der 70er, Anfang der 80er). Damals sind die Einnahmen sicherlich exorbitant gestiegen, aber diese Aussage stimmt schon lange nicht mehr.

Warum nicht?

  • Keine Rücklagen – als ich 2020 die Finanzen übernommen habe, hatte ich eigentlich vermutet große Geldsummen vorzufinden. Weil ja – reichste Gemeinde, glaubte ich bis März 2020 auch noch. Es gab keine Rücklagen, keine Sparbücher, nur ein wenig mehr als einmal Gehälter für die Mitarbeiter war am Girokonto. Ende 2019 schaute das noch ganz anders aus. Da waren noch 2,6 Mio auf dem Girokonto. Das ist aber nicht der Betrag den wir im März 2020 übernommen haben!
  • Keine Immobilien mit hohem Wert, nur Gebäude mit hohem Instandhaltungsbedarf. Seien es die Gemeindewohnungen, sei es die Kulturhalle, Bauhof,… Dazu ein instandsetzungswürdiges Kanalnetz und ein überalteter Fuhrpark.
  • 38,5 Mio Euro Schulden (Gemeinde und Kommunal GmbH zusammen).

Ich habe das damals nicht verstanden. Wie kann man so viel Geld jährlich verbraten und trotzdem gibt es so viele offene Baustellen!? Denn eines muss man sagen, Vösendorf ist nicht die reichste Gemeinde und auch nicht die einnahmenstärkste, aber es kommt schon einiges an Steuergeldern rein, die müsste man halt sinnvoll ausgeben.

Nachdem ich der SPÖ geführten Regierung nun ein dreiviertel Jahr zugeschaut habe, wundere ich mich übrigens nicht mehr. Ich weiß jetzt, wie man eine Gemeinde schnell und unkompliziert finanziell an die Wand fährt.

Immobilienkredite

Für „Häuselbauer“ wird es jetzt schwieriger von der Bank einen Kredit zu bekommen. Ich habe mir die neuen Regelungen angesehen und bin ehrlich gesagt ein wenig verwundert, dass man offenbar bisher diese Grenzen nicht erreichen musste!

Ich habe 1997 maturiert und wir haben damals in der HAK Wr. Neustadt eigentlich gelernt, dass man bei Großanschaffungen Eigenmittel benötigt und dass die Rückzahlungskosten nicht zu hoch sein dürfen, damit man sich das normale Leben noch leisten kann.

Dies gilt ab sofort:

Ab einem Kredit von € 50.000,–

braucht man ab sofort 20% Eigenkapital

und es dürfen nicht mehr als 40% des Netto-Haushaltseinkommens für die Rückzahlung verwendet werden

Die maximale Kreditlaufzeit beträgt ab sofort 35 Jahre

Wie gesagt, wir hätten das im vorigen Jahrtausend noch so gelernt, aber offenbar bekam man zwischenzeitlich leichter Kredite.

Natürlich wird es für junge Familien somit schwerer sich ein Eigenheim zu leisten, allerdings dienen diese Regeln auch dem Schutz damit sich die Menschen nicht zu sehr überschulden. Gerade in Zeiten steigender Zinsen nicht die schlechteste Idee.

Natürlich ist es zur Zeit bei den hohen Preisen schwierig Eigenmittel anzusparen. Wenn man das aber finanziell nicht schafft, wird man sich mit Kreditrückzahlungen genauso schwer tun.